Donnerstag, 26. April 2012

Praktikum Carolin



Mein Praktikum 
Teil 1




Hallo, mein Name ist Carolin Denter, ich bin 22 Jahre alt und mache zurzeit eine Ausbildung zur Goldschmiedin an der Meisterschule für Handwerker in Kaiserslautern.
Momentan bin ich im zweiten Lehrjahr und dieses beinhaltet ein 2 wöchiges Praktikum in einer Goldschmiede.
Es gestaltete sich gar nicht so einfach, einen Praktikumsplatz zu bekommen, denn leider haben die meisten Goldschmiedewerkstätten keine Zeit, keinen Platz oder keine Lust sich um Praktikanten zu kümmern. Nach einigen Absagen begann ich nun auch im weiteren Umkreis zu meiner Heimatstadt zu suchen. Zu meinem Glück, denn so stieß ich auf die kleine und wunderschöne Ateliergemeinschaft von Grit Schulze und ihrer Partnerin Nathalie Scheen. Nach ein paar E-Mails und einem Besuch war für uns beide klar, dass wir es gerne versuchen würden.
So begann ich am 10.04.2012 mein Praktikum in Otterbach.

Nachdem wir festgelegt hatten., was ich gerne in dem Praktikum lernen würde (leider zu viel für die zu kurze Zeit, die Tage vergehen wie im Fluge), fing ich mit ersten Skizzen zum Thema Malemail an.


Mein gewähltes Motiv


Recht schnell entschied ich mich für ein altes Indisches Stoffmotiv, aus dem ich einen Anhänger machen würde.

Um dem ganzen mehr Höhe und Tiefe zu geben, wollte ich nicht einfach auf ein flaches, zurechtgesägtes Stück Silber Emaillieren, sondern mein Stück Ziselieren.
Das Ziselieren ist eine uralte Technik, bei dem das Metall kalt verformt wird, durch Punzen aus Stahl, die mit einem Ziselierhammer geschlagen werden



Das Muster wird nun durch Schläge getrieben

Manchmal sind auch Verrenkungen nötig, um beste Ergebnisse zu erzielen



 Das Edelmetall, hier Silber, muss desöfteren aus dem Kitt entnommen werden, da man immer wieder "Glühen" muss, dabei erhitzt man das Silber bis es glüht und schreckt es dann ab und macht es damit wieder weicher. Dann lässt sich das Metall wieder leichter verformen.


Die komplette Kittkugel wird erwärmt, das kann man mit der offenen Flamme machen oder mit einem Heißluftföhn

Die ausgekitteten Werkstücke werden in Spiritus gesäubert und dann zur weiteren Bearbeitung wieder eingekittet.



Hier verziere ich das fertige Werkstück mit Mustern



 Nun kann man die fertigen Werkstücke mit Mustern verzieren und glätten. Um ein immer wieder gleich bleibendes, bzw. ähnliches Muster auf meinem Stück zu erzielen, habe ich mir aus Werkzeugstahl einen Musterpunzen hergestellt.

Hierzu habe ich aus einem Vierkantstahl ein Stück abgesägt und die Enden geglättet.
 Nachdem mein Muster mit einem wasserfesten Stift vorgezeichnet war, habe ich mit der Säge und mit Feilen das Muster herausgearbeitet.


Bearbeiten des Vierkantstahls



Wenn das Muster fertig ist, wird der Stahl gehärtet und poliert, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Et Voilà, mein fertiger Musterpunzen:






Nun konnte ich mit diversen Punzen und anderen Hilfsmitteln, mein Stück fertigstellen.
Um eine schöne, ruhige Oberfläche zu erzielen, habe ich beide Teile meines Anhängers noch poliert.
Um meinen Schmuck auch später noch richtig in Szene setzen zu können, bekam ich eine kleine Lektion im Fotografieren. Darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut, denn beim ersten Testen, habe ich gemerkt. dass ich die ein oder andere Nachhilfestunde gebrauchen kann ;) noch ist ja schließlich kein Meister vom Himmel gefallen. ich konnte einiges für mich mitnehmen, auch dass weniger mal mehr sein kann.(Übrigens sind die hier gezeigten Fotos alle von mir bearbeitet und teilweise sogar geschossen ;))
Das entstandene Foto kann sich ja sehen lassen :



Mein fertig ziseliertes,  in Szene gesetztes Stück




                 Das Emaillieren mit Malemail

 

 

Um mein fertig ziseliertes Stück noch näher an das indische Vorbild heranzubringen, wollte ich es gerne Emaillieren. Es gibt verschiedene Arten des Emaillierens, ich wollte Malemail ausprobieren.
Da ich absolut keine und Grit nur ein wenig Ahnung vom Emaillieren hatten, beschlossen wir einfach zu testen.
Die Malemailfarben die Grit hat, sind wie in einem Wasserfarbkasten angeordnet und auch so zu nutzen. Einfach mit destilliertem Wasser anrühren, und fertig. Hörte sich ja super an, nur leider ging doch nicht alles so glatt wie ich mir erhofft hatte, aber auch hier gilt, probieren, probieren, probieren....
Erstmal  sägte ich Probeplättchen aus, welche ich dann mit den Farben bemalte und antrockenen ließ.




Meine frisch bemalten Emailplättchen



Währenddessen heizte ich den Emailofen vor, ein Überbleibsel aus den 70er Jahren, in denen man noch zu Hause selber Kupferbroschen emaillierte. Dieser Ofen wird unheimlich heiß, zu heiß für unsere Emailfarben wie ich direkt merken durfte, als ich von seltsamen Geräuschen aus dem Ofen angelockt wurde und mein erstes Probeplättchen in Flammen stand ;) 
Aber durch ständiges kontrollieren und öffnen, ließ sich dieses Problem schonmal beheben.
Trotzdem, bekam ich leider keine ermutigenden Ergebnisse, die Farben verbrannten sofort oder sie ließen sich abkratzen.



Im Emailofen...


Nach gefühlten 50 Versuchen, kann ich nun hier stolz meine Ergebnisse präsentieren ;)




Die gebrannten Plättchen



Es sind vielleicht nicht die schönsten Plättchen, aber sie sind Emailliert,  juhu :)
Leider sind einige Farben viel dunkler geworden als gewollt, aber dieses Problem wollen wir nun auch noch lösen, indem wir farbloses Fondant unterlegen (ein Emailpulver), welches sich vielleicht auch positiv auf Haltbarkeit und Farbe auswirkt.

Um meinen Indisch angehauchten Anhänger zu emaillieren, reichen meine Versuche und Kenntnisse noch nicht ganz aus, aber ich werde euch auf dem Laufenden halten...







Kommentare:

  1. 2 Wochen Praktikum sind jetzt vorbei, wir haben viel und gut gearbeitet.Hat Spaß gemacht Carolin und ich hoffe, daß bald noch Teil 2 folgt...

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  2. ...ganz begeistert bin ;-)))
    und solche Emailarbeit, als Ohrstecker,
    bei DIR - im DaWanda-Shöpchen -
    schon bewundert hab!!! *♥Reschpekt...undweiterso*

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  3. Da geht mirs Handwerkerherz auf. Und ich will unbednigt nch Teil 2 sehen :)
    Vielen Dank fürs so detailreichevorstellen deiner Arbeit, das zuschauen dürfen ist für mich etwasserh wertvolles.
    Liebe Grüße
    Andi

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  4. wow was für ein schönes Werkstück, welch knifflige Arbeit und ein bewunderswertes geschicktes Händchen---alles Liebe für die Zukunft, herzlich Kalle

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